Experimente sind für den Physikunterricht - wie auch für die Darstellung physikalischer Inhalte im Rahmen der musealen Präsentation - ein zentrales didaktisches Element. Im Unterricht der Hochschule werden sie traditionell im Praktikum und in Form von Demonstrationsexperimenten in der Vorlesung eingesetzt. Ihre Verfügbarkeit wird somit für die Studierenden auf Zeit und Ort von Präsenzveranstaltungen sowie den leistbaren experimentellen Aufwand eingeschränkt. Es wurde nun eine Methode entwickelt, physikalische Realexperimente mittels Multimediatechnik auf dem Bildschirm eines Computers so darzustellen, dass der Anwender das fotografisch abgebildete Experiment - ähnlich wie in der Realität - über geeignete Eingabegeräte selbstständig durchführen kann und dabei unmittelbar das erlebt, was wärend der Aufnahme von Kameras und Mikrofonen aufgezeichnet wurde. Im Gegensatz zum Simulationsexperiment basiert diese mediale Experimentrepräsentation also nicht auf Visualisierungen mathematischer Modellrechnungen, sondern zeigt vielmehr einen multimedial (d.i. einen interaktiven, multimodalen und multicodalen) Ausschnitt der Realität. Dabei besteht das Gestaltungsprinzip für die Interaktivität der hier erstmals verwendeten fotografischen Oberfläche darin, real mögliche Handlungen wirklichkeitsnah zu übertragen. Der Anwender wird selbst zum Experimentator und betrachtet nicht - wie im Film - die aufgezeichnete Demonstration eines Experiments. Für dieses Konzept wurde der Begriff "Interaktives Bildschirmexperiment" (IBE) neu geprägt. IBEs sind inzwischen nicht nur zentraler Bestandteil innovativer CD-ROM-Produkte für den Physikunterricht (Ernst Klett Verlag) geworden, sondern werden an der TU Berlin bereits im Regeleinsatz in verschiedenen Lehrveranstaltungen zur Experimentalphysik eingesetzt.
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