Presse  
       
     
     

Server-Projekt
Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen
Newsletter 1. Dezember 2002
http://serverprojekt.fh-joanneum.at/sp/index.php?n=nl


E-Learning im Virtuellen Gen-Labor


Mit den eLearning-Systemen GenLab und ViPGen (http://www.virtuelle-labore.de) wurden im Oldenburger Informatikinstitut (OFFIS) hochgradig interaktive virtuelle Lernwelten geschaffen, die Lernenden im Bereich der Gentechnik neuartige Lernstrategien und Lernerfahrungen für die praktische Laborarbeit eröffnen. In einem virtuellen Labor haben Benutzer die Möglichkeit, gentechnische Experimente durchzuführen - analog zu den Abläufen in einem realen Labor. Dabei können sie sich z.B. im Labor bewegen, Geräte bedienen und Chemikalien pipettieren. Das theoretische und praktische Wissen zur Bio- und Gentechnologie wird in Form von Texten, Bildern, Animationen und Videos in einem ebenfalls begehbaren Seminarraum bereit gestellt. Studierende können so unabhängig von Zeit und Ort im virtuellen Raum erste praktische Erfahrung sammeln. Durch die bessere Vorbereitung wird der Betreuungsaufwand im realen Labor verringert und die Sicherheit und Effizienz der Kurse erhöht.

Ausgehend von den Erfahrungen bei der Entwicklung dieser beiden Laborsysteme wurden im OFFIS allgemeine Informatik-Methoden und Autorenwerkzeuge zur Entwicklung virtueller Labore und Praktika erforscht und entwickelt. Mit Hilfe der Werkzeuge lassen sich die bestehenden Systeme GenLab und ViPGen ohne Programmierkenntnisse verändern und erweitern und damit an individuelle Bedürfnisse anpassen. Die Auszeichnung dieses Konzepts mit dem Publikumspreis beim Medida-Prix 2002 zeigt, dass hier ein vielversprechender Weg für die Entwicklung neuartiger Lernwelten eingeschlagen wurde.

GenLab und ViPGen befinden sich bereits an mehreren Universitäten in Deutschland im Piloteinsatz. Die Option zur Einbindung nutzerspezifischer Inhalte sowie ihre individuelle Adaptierbarkeit machen die virtuellen Labore auch für berufliche Aus- und Weiterbildung interessant. Das OFFIS sucht deshalb zur Zeit Partner in Industrie und Wissenschaft, die sich vorstellen können, das eLearning-Konzept "Virtuelles Labor" in ihrem Ausbildungssektor nutzbringend einzusetzen und gemeinsam mit den Oldenburger Forschern eine Lernplattform entwickeln wollen, die Laboranten verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen zukünftig einen idealen Zugang zu den jeweils aktuellen Arbeitsmethoden und theoretischen Erkenntnissen bietet.


Ad Fontes - Eine Einführung in den Umgang mit Quellen im Archiv


Mit "Ad fontes" (http://www.adfontes.unizh.ch) können Geschichtsstudierende auf dem Internet den Umgang mit und die Auswertung von handschriftlichem Quellenmaterial lernen. An Beispielen aus dem Stiftsarchiv Einsiedeln - einem der wichtigsten Privatarchive in Europa mit durchgehenden Beständen seit dem 10. Jahrhundert - können die Studierenden praxisnah üben, wie man

  • Archivmaterial findet,
  • alte Schriften entziffert,
  • mit alten Maß-, Gewichts- und Münzangaben rechnet,
  • Dokumente datiert und
  • Quellen erschließt und auswertet.

Dabei handelt es sich um Kernkompetenzen, die für eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten innerhalb der Geschichtswissenschaft unverzichtbar sind. Auch wer nicht selbst im Archiv forscht, benötigt die vermittelten Grundkenntnisse, um Editionen und ihre Einleitungen verstehen zu können.

"Ad fontes" wird an der Universität Zürich für Studierende der Geschichte realisiert. Das Programm ist für alle Interessierten frei und kostenlos zugänglich.

Die Umsetzung erfolgt auf drei miteinander vernetzten Ebenen, die einen flexiblen Zugriff auf die Lerninhalte ermöglichen:

  • ARCHIV: Simulation eines Archivbesuchs, bei dem sich die Lernenden mit einem Thema (z.B. Urkunden / Fälschungen) anhand des Quellenbestands im Stiftsarchiv Einsiedeln intensiver beschäftigen: Praxisnahe Aufgaben, die an die Lernziele heranführen, der Lernkontrolle dienen und das Grundwissen aus dem Tutorium vertiefen.
  • TRAINING: Einzelübungen, die den gezielten Erwerb spezifischer, grundlegender Fertigkeiten (z.B. Lesen alter Schriften, Datieren der Dokumente) ermöglichen.
  • TUTORIUM: Anschauliche Darstellung des Grundwissens, das zur Lösung und Bearbeitung der Aufgaben im ARCHIV und im TRAINING notwendig ist.

Die Ressourcen liefern weitere Informationen zu den behandelten Themen (Links und Literaturangaben, Übersichten, Tabellen, Checklisten usw.).

Ein Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe.

Das Internet bietet die Möglichkeit, die Lernenden interaktiv an die Lerninhalte heranzuführen. Die einzelnen Module können angepasst und ergänzt werden. Mit "Ad fontes" wird versucht, die Vorzüge des Internets als Lernmedium auszunutzen.

In "Ad fontes" kann man

  • den Lernweg und das Lerntempo selbst bestimmen
  • Lernkontrollen selbst durchführen und testen, ob man für einen Archivbesuch gut vorbereitet ist
  • Unabhängig von Raum, Zeit und Lehrpersonal lernen
  • Quellen im "Original" anschauen, lesen und bearbeiten
  • jederzeit dort weiterlernen, wo man das letzte Mal aufgehört hat.

Für den Präsenzunterricht an der Universität bedeutet dies, dass

  • fachwissenschaftlichem Austausch mehr Zeit zur Verfügung steht
  • das Niveau der problemorientierten Diskussionen verbessert wird
  • die Lehrenden mehr Zeit für die Betreuung der individuellen Arbeit haben.

Von Anfang an wurden die Studierenden an der Entwicklung und Evaluation von "Ad fontes" beteiligt. Fortgeschrittene Studierende leisten wichtige Forschungsarbeiten im Stiftsarchiv Einsiedeln. Sie bereiten die Materialien inhaltlich so auf, dass sie in "Ad fontes" integriert werden können, und beteiligen sich an der Betreuung der NutzerInnen.

In der Lehre wird "Ad fontes" vor allem in den Proseminaren zur mittelalterlichen Geschichte an der Universität Zürich eingesetzt. Aber auch Studierende und Lehrende anderer Universitäten nutzen "Ad fontes". Die Anerkennung mit Kreditpunkten wird 2003 realisiert werden.

Ab 2003 werden auch Weiterbildungskurse angeboten, die mit "Ad fontes" arbeiten (http://www.adfontes.unizh.ch/weiterbildung).

Um die weitere Finanzierung zu sichern und um das Angebot weiterhin für alle Interessierten kostenlos offen zu halten, sucht "Ad fontes" Sponsoren und Förderer auch ausserhalb der Universität. Zu diesem Zweck wurde am 6. November 2002 ein Förderverein gegründet (http://www.adfontes.unizh.ch/foerderverein).

       
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