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Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen
Newsletter 1. November 2002
http://serverprojekt.fh-joanneum.at/sp/index.php?n=nl


MEDIDA-PRIX 2002 für zwei Kooperationspartner des Förderprojekts "Caseport"


Mit dem Projekt "Caseport" (http://www.caseport.de/) fördert das BMBF die Entwicklung eines Online-Portals für die fallbasierte Lehre in der Medizin. Gleich zwei Kooperationspartner des Projekts sind im vergangenen Monat in Basel beim diesjährigen MEDIDA-PRIX ausgezeichnet worden: Das CASUS-Lernsystem der Ludwig-Maximilians-Universität München und das Projekt CAMPUS-Pädiatrie der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg teilen sich die Hälfte des Preisgeldes in Höhe von insg. 100.000 Euro. Die andere Hälfte wurde dem Projekt "Ad fontes" der Universität Zürich zugesprochen (http://www.adfontes.unizh.ch). Mit dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgelobten Preis werden Initiativen belohnt, die innovative multimediale Lehr- und Studiensysteme einsetzen.

In diesem Newsletter bringen wir gleich im Anschluss einen Bericht vom Projekt "Campus-Pädiatrie" und einen Bericht über das Projekt "Casus" und "Caseport".

Der MEDIDA-PRIX wird von der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V. (GMW) organisiert (http://www.gmw-online.de). Die Fachgesellschaft will damit das Innovationspotenzial der Neuen Medien auch für Reformen an den Hochschulen fördern. Der Medienpreis wird abwechselnd je nach Austragungsort vom BMBF, dem schweizerischen Bundesamt für Bildung und Wissenschaft und dem österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziell ausgestattet. Im vergangenen Jahr wurde der Preis in Hildesheim verliehen, Austragungsort des MEDIDA-PRIX 2003 wird Duisburg sein. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter:
http://www.medidaprix.org


"CAMPUS-Pädiatrie" der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg

Ein interaktives, fallbasiertes Computer-Lehr-/Lernprogramm für die Aus- und Weiterbildung in der Kinderheilkunde.


Die geplante Reformierung des Medizinstudiums mit der Betonung des problemorientierten und fallbasierten Lernens erfordert wegen des hohen Zeit- und Personalaufwandes und vor dem Hintergrund einer sinkenden Zahl stationärer Patienten die Einführung simulativer Computerlernsysteme. Dies gilt insbesondere in Fachgebieten mit seltenen, aber relevanten Erkrankungen wie der Kinderheilkunde. Auch kann schwerkranken Kindern die Untersuchung durch Studenten nur begrenzt zugemutet werden.

CAMPUS ist ein Computer-Lehr-/Lernprogramm, mit dem authentische Fälle in einer realitätsnahen, interaktiven und multimedialen (Foto-, Video- und Audiodateien) Weise sowohl lokal (CD-ROM, Festplatte) als auch über das Internet (http://www.medicase.de) bereitgestellt werden. In CAMPUS-Pädiatrie nimmt der Anwender die Rolle des Arztes ein und betreut selbständig einen Patienten in einer virtuellen Kinderklinik, indem er die Anamnese erhebt, Untersuchungen durchführt bzw. anordnet und, unterstützt durch Expertenkommentare, Diagnose- und Therapieentscheidungen trifft. Der Fallablauf folgt hierbei einem Flussdiagramm. Durch das vorgegebene stufenweise Vorgehen wird die typische Arbeitsweise eines praktisch tätigen Arztes möglichst realistisch dargestellt.

Kennzeichnend für CAMPUS ist insbesondere die möglichst realitätsnahe, sog. simulative Vorgehensweise. Das bedeutet, dass der Nutzer des Programms nicht dadurch in seiner Vorgehensweise eingeschränkt wird, dass ihm vorselektierte Auswahlmöglichkeiten angeboten werden, sondern er muss sich z.B. bei der Diagnosestellung aus einem umfassenden Katalog für die passende Diagnose entscheiden. Unterstützend wirken hierbei allgemeine medizinische Vokabulare und Nomenklaturen wie der ICD (International Classification of Diseases) oder MeSH (Medical Subject Headings). Interaktiv zu beantwortende Wissensfragen dienen dem Anwender zur Lernkontrolle.

Die Kompetenz in medizinischem Wissensmanagement wird ausgebildet, indem einerseits Patienten-bezogene Daten aus der Falldatenbank abgerufen werden können und zum anderen auf systematisches Wissen über entsprechende Verknüpfungen zu dem Lehrbuch "Pädiatrie" (Hrsg. Speer/Gahr) oder digitale Bibliotheken im Internet zugegriffen werden kann. CAMPUS-Pädiatrie ist somit eine geeignete Ergänzung zu traditionellen Lehr-/Lernformen wie Vorlesungen, dem Unterricht am Krankenbett und der systematischen Lehrbuchlektüre.

In der Universitätskinderklinik Heidelberg wird CAMPUS-Pädiatrie seit dem WS 2000/2001 ergänzend zu den bestehenden Unterrichtsveranstaltungen am Krankenbett im tutoriell betreuten Pädiatrie-Praktikum und zum Selbststudium eingesetzt. In einer in diesem Praktikum durchgeführten standardisierten, umfassenden Evaluation wurde das Programm mit der Note "gut" bewertet. Neben dem Einsatz im Praktikum können die Studierenden CAMPUS-Pädiatrie auch zum Selbststudium nutzen. Um auch hier die Kommunikation und den Austausch zu ermöglichen, wurde CAMPUS-Pädiatrie in die Lernplattform der Universität Heidelberg (Athena) eingebunden.

Die ersten pädiatrischen Kasuistiken wurde im Herbst 2000 als Addendum zu dem Lehrbuch "Pädiatrie" (Hrsg. Speer/Gahr) veröffentlicht. Motiviert durch die positive Resonanz erscheint im Oktober 2002 eine erweiterte Fallsammlung mit 38 Fällen als CD-ROM. Auf dieser CD-ROM ist das Lehrbuch "Pädiatrie" (Hrsg. Speer/Gahr) in digitalisierter Form hinterlegt und mit den Kasuistiken verknüpft, so dass die Studierenden bei der Fallbearbeitung über entsprechende "Links" oder eine Suchfunktion auf systematisches Lehrbuchwissen zurückgreifen können. Damit wird fallbasiertes und systematisches Wissen integriert und eine Kombination von konventionellen Lernen und computer-based Training im Sinne von Blended Learning realisiert.

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbund-Projektes CASEPORT kooperiert CAMPUS-Pädiatrie aus Heidelberg mit den Univ.-Kinderkliniken Berlin (Charité) und Freiburg. Gemeinsam werden ca. 100 pädiatrische Kasuistiken für ein bundesweites Internetportal für fallbasierte Lernsysteme (http://caseport.de) erstellt.

CAMPUS wurde unterstützt vom MWK Baden-Württemberg im Projekt VIROR und wird derzeit von der Medizinischen Fakultät Heidelberg und vom Bundesministerium für Bildung & Forschung im Projekt CASEPORT gefördert.


Computergestützte Fallbasierte Lehre in der Medizin: CASUS und CASEPORT


Wie kaum je zuvor ist die medizinische Aus-, Weiter- und Fortbildung einer rasanten Entwicklung der technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Dozenten, Wissenschaftler und Studenten stehen heute Technologien zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, mit vertretbarem Aufwand nutzerfreundliche Lösungen für eine qualitativ hochwertige Aus-, Weiter- und Fortbildung über das Internet zu erstellen.

CASUS ist ein fallbasiertes Lernsystem, das von einem Team aus Ärzten, Informatikern und Psychologen der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt wurde, und stellt eine ständig wachsende Sammlung interaktiver Lernfälle aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen bereit. CASUS bietet einerseits in der universitären Ausbildung von Studenten eine hilfreiche Ergänzung zum Unterricht am Krankenbett; andererseits können auch Ärzte in Fort- und Weiterbildung anhand authentischer klinischer Probleme praxisrelevantes Wissen und Behandlungsstrategien üben und hinterfragen (http://link.medinn.med.uni-muenchen.de/instruct/casus/intro.html).

Die CASUS-Lernfälle beziehen sich auf das didaktische Konzept des problemorientierten Lernens POL). Dieses Konzept geht davon aus, dass über die Auseinandersetzung des Lernenden mit sorgfältig ausgewählten spezifischen Problemstellungen die Anwendung von Wissen gefördert wird sowie die Fähigkeit zum problemlösenden, besonders dem differentialdiagnostischen Denken. Ein wesentliches Ziel des POL ist es, selbständiges und eigenverantwortliches, reflektiertes Lernen zu fördern.

In der CASUS-Datenbank stehen derzeit circa 120 multimedial aufbereitete Lernfälle für das Training von Medizinstudenten und Ärzten zur Verfügung. Bei der Bearbeitung des gewählten Falles werden dem Lernenden Schritt für Schritt Informationen bereit gestellt, die er zur Bildung von Hypothesen nutzen soll. Um einen Fall möglichst authentisch darzustellen, werden zunächst die klinischen Symptome oder anamnestischen Aussagen des Patienten präsentiert. Im "Multimedia-Fenster" können diese Aussagen auch durch eine Videosequenz illustriert und zusätzliche Bildbefunde bereitgestellt werden. Der Lernende ist gehalten, die bereitgestellten Informationen zu interpretieren. Seine Antworten werden ausgewertet und unmittelbar kommentiert. So erlauben die im Verlauf zusammengetragenen Befunde des Patienten eine diagnostische Eingrenzung, die Ermittlung von Arbeitsdiagnosen und schließlich eine endgültige Diagnosestellung. Ausgehend von der Diagnose kann auch die Auswahl der geeigneten Therapie trainiert werden.

Im Hinblick auf das Autorensystem stellt CASUS den Dozenten ein einfach zu bedienendes Autorensystem mit einer Reihe spezieller didaktischer Unterstützungsfunktionen zur Verfügung, das es ermöglicht, Kasuistiken von virtuellen Patienten am Computer zu erstellen. Die Fallerstellung ist schnell erlernbar und erfordert keine Programmierkenntnisse. Der Autor muss zunächst festlegen, welche Lernziele er verfolgt und an welches Publikum er sich mit dem Fall wendet. Er sollte danach im Programm mit wenigen Mausklicks ein graphisches "Drehbuch" erstellen. Dann werden die einzelnen "Bildschirmkarten" gestaltet. Auf ihnen lassen sich Text-, Bild- und Video-Informationen sowie Fragen und verschiedene Antwortmöglichkeiten vom Autor flexibel zusammenstellen und mit "Expertenkommentar" versehen. Für einen Fall mit ca. 25 Bildschirmkarten benötigt eine Autor - je nach Umfang des Bild- und Videomaterials - ungefähr 20 Arbeitsstunden.

Ziel des Projekts CASUS ist es, überregional verfügbare Fallbibliotheken bereit zu stellen, die das problemorientierte Lehren und Lernen am PC via Internet unterstützen. Das CASUS-Lernsystem ist fester Bestandteil des Unterrichts an mehreren deutschen Fakultäten und CASUS-Lernfälle aus der Inneren Medizin werden im Rahmen der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) im Internet angeboten. Darüber hinaus ist CASUS eines der Basislernsysteme in dem vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) im Rahmen der Initiative "Neue Medien in der Bildung" geförderten Projekt CASEPORT, das die fallbasierte Lehre in der Medizin über ein gemeinsames Internet-Portal Studenten, Ärzte und Dozenten zugänglich macht.

CASEPORT ist ein Verbundprojekt von 12 deutschen Fakultäten und will durch die breite curriculare Integration und systemintegrierende Bündelung von bundesweit herausragenden multimedialen und fallbasierten Computerlernsystemen zur Verbesserung der medizinischen Aus- und Weiterbildung beitragen. Bereits vorhandene Inhalte sollen zu kompletten Kursangeboten erweitert und an den Fakultäten der Projektpartner implementiert und evaluiert werden. Integriert sind zur Zeit die Systeme Campus, CASUS, Docs `n Drugs und d3web.Train. Über eine gemeinsame Datenschnittstelle sollen die verschiedenen Lernsysteme in einem systemübergreifenden Portal zusammengeführt werden, das die interdisziplinäre Fallstellung unterstützt.

CASEPORT ist darüber hinaus offen für die modulare Integration neuer Inhalte, Kurse und Lernsysteme aller bundesdeutschen Fakultäten. Eine übergreifende Qualitätskontrolle und Evaluation der Inhalte, sowie ihre Einbettung in klinische Pflichtveranstaltungen wird im Rahmen von CASEPORT durch die Projektpartner in kritischer Breite gewährleistet. Die Integration von computergestützten fallbasierten Prüfungsmodulen in die Curricula der Fakultäten wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) in Mainz erprobt.

Gleich zwei CASEPORT-Systeme sind im September 2002 mit dem diesjährigen MEDIDA-PRIX, dem höchstdotierten hochschuldidaktischen Medienpreis Europas, ausgezeichnet worden: CASUS und CAMPUS-Pädiatrie von der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg. Initiiert wurde der MEDIDA-PRIX von der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), die damit das Innovationspotential der Neuen Medien für Reformen an den Hochschulen fördern will.

 

       
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