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      Diabolo
Wochenzeitung für Oldenburg
2. Oktober 2002 (40. KW)

Garantiert nicht ätzend

Oldenburger Lernprogramm erhält Publikumspreis

Was passiert wohl, wenn man die beiden Chemikalien zusammenmixt? Diese und andere Fragen werden in den meisten Kinderzimmern mit dem Chemiekasten beantwortet. Für Fortgeschrittene Laborratten gibt es jetzt ein virtuelles Labor, in dem nicht nur Chemikalien gemixt, sondern auch die Geheimnisse der DNA erforscht werden können.

Das Programm „Virtuelles Praktikum Gentechnik“, kurz “VIPGen“, wurde an der Oldenburger Universität mitentwickelt und erhält nun im Rahmen des Medida Prix 2002 den Publikumspreis. Ziel der Auszeichnung, die von den Bildungs- und Forschungsministerien aus Österreich, der Schweiz und Deutschland finanziert wird, ist es, „didaktisch motivierte Medienprojekte zu unterstützen, die einen besonderen Beitrag zur Qualitätssicherung an der Hochschule leisten“. Das Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Appelrath vermittelt anhand eines Computerprogrammes theoretische und praktische Grundlagen im Bereich der Gentechnologie und ersetzt so die für ein Biologiestudium notwendigen Praktika.

In dem virtuellen Labor wird geübt, was später real angewandt werden muß. Der Computer führt dabei unbekannte Arbeitstechniken vor oder stellt Bedienungsanleitungen zur Verfügung, so daß die Lernziele eigenständig erreicht werden können. Fehler werden vom Programm sofort erkannt und verbessert.

„VIPGen“ kann an vielen Universitäten im In- und Ausland eingeführt werden, da es in verschiedenen Sprachen erhältlich ist und die individuellen Vorlesungsinhalte der Universitäten vom Lehrenden in das Programm eingefügt werden können. Gerade das Thema Genetik eignet sich für multimediale Lernsysteme, da die hohen Kosten für Labormaterial eingespart und Versuche beliebig oft durchgeführt werden können. Es ist außerdem möglich, Programme zu aktualisieren, was besonders bei der rasanten Erkenntniserweiterung in der Genforschung notwendig ist.

Entwickelt wurde das virtuelle Labor mit Hilfe der Universitäten in Düsseldorf und Tübingen. In Oldenburg ist „Offis“ dafür verantwortlich. Das seit 1991 bestehende Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik Werkzeuge und Systeme (Offis) arbeitet mit dem Fachbereich Informatik der Universität zusammen und beschäftigt sich mit Grundlagenforschung und Entwicklung von Prototypen und Softwaresystemen. Mit dem nun gewonnenen Preis erhalten sie eine Bildungsreise im Wert von 10.000 Schweizer Franken.

Der „Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft“, die den Preis ausrichtet, geht es vor allen Dingen darum, langfristig multimediale Lernsysteme zu fördern und zu etablieren. Dabei kritisieren sie die Universitäten und die Bildungspolitik, die der Entwicklung von virtuellen Studiensystemen oftmals eher Steine in den Weg legen würden. Deswegen soll der Medida Prix ausgewählten Projekten die Weiterentwicklung ermöglichen. Dabei achtet die Jury besonders auf „didaktische Innovation, Alltagstauglichkeit, Curriculare Übertragbarkeit und begleitende Evaluation“. Durchgesetzt hat sich „VIPGen“ nach diesen Kriterien gegen 167 Teilnehmer. Die Hauptpreise jedoch gingen nach München, Berlin und Zürich.

Laura E. Ewert

       
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